Der Alltag ist voll, die Nähe kommt zu kurz und die Lust ist irgendwie verschwunden? Das geht vielen Paaren so und es ist kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. In der Paarberatung finden Sie gemeinsam heraus, was Ihnen fehlt und wie Sie wieder mehr Nähe, Leichtigkeit und Abwechslung in Ihre Beziehung bringen.
Keine Lust auf Sex? Vielleicht fehlt nicht die Lust, sondern die Abwechslung
Die Penetration steht so sehr im Mittelpunkt, dass wir ein eigenes Wort für alles erfunden haben, was davor passiert: Vorspiel. Das Wort kommt aus dem Theater, das Stück vor dem Hauptstück. Allein das sagt schon: Das Eigentliche kommt erst noch.
Und genau hier beginnt für viele Paare das Problem mit der Lustlosigkeit.
Das Skript in unseren Köpfen
Porno und Film haben uns einen einzigen Ablauf eingebrannt: ein bisschen berühren, damit die Vagina feucht wird, dann Penetration, dann Orgasmus, fertig. Dieses Skript läuft bei vielen Paaren seit Jahren, fast immer gleich.
Dann hört man Sätze wie: «Wir machen so ein langes Vorspiel, und trotzdem tut es ihr weh, wenn ich eindringe.» Das Problem ist selten die Länge des Vorspiels, sondern das Skript dahinter. Berührung wird zum Mittel zum Zweck: Sie soll feucht machen, damit es «richtig» losgehen kann.
Wie aus dem Skript Lustlosigkeit wird
Wenn Sex immer gleich abläuft und ein Teil davon wenig Lust bringt oder sogar wehtut, lernt der Körper etwas ganz Logisches: Das lohnt sich für mich nicht. Die Lust verschwindet dann nicht einfach, sie hat keinen guten Grund mehr, sich zu zeigen.
Viele Frauen sagen mir ehrlich: «So viel habe ich davon auch nicht.» Und wenn ich vorschlage, die Penetration wegzulassen, kommt von Männern oft: «Oh nein, dann fehlt mir was.» Beide Seiten halten am Ablauf fest, obwohl er keinem so richtig guttut.
Auch das «schnell, ich muss kommen» setzt Druck auf. Wer sich unter Druck fühlt, hat selten Lust.
Niemand hat uns beigebracht, dass der GANZE Körper erogen sein kann. Manche Menschen kommen zum Orgasmus, ohne dass ihr Genital je berührt wird. Jenseits der Genitalzone gibt es unglaublich viel zu entdecken: Haut, Nacken, Füsse, Atem, Zunge, Hände.
Wir dürfen unsere Hirnbahnen umschreiben: weg von «Penetration, Orgasmus, Ejakulation, fertig», hin zu Flirten, Sexting, Spielen, Neugier.
Wir wollen kein Theater spielen. Wir wollen echt sein, lebendig, und unsere ganz eigene Intimwelt entdecken. Ohne Drehbuch, ohne Ablauf, den man auswendig lernt. Jedes Mal darf es neu sein.
Das ist nicht einfach. Wir müssen vieles hinterfragen und die Kreativität ankurbeln. Und genau hier liegt die Chance bei Lustlosigkeit: Sie ist oft ein Hinweis, dass etwas Neues gebraucht wird.
Ihr Experiment für die nächste Begegnung.
Nehmen Sie bei jedem intimen Kontakt etwas Neues dazu. Zum Beispiel: Lassen Sie ein Eisstück im Mund schmelzen und schenken Sie Ihrem Gegenüber danach Fellatio oder Cunnilingus. Oder verabreden Sie sich zu einer Begegnung ganz ohne Penetration. Spüren Sie, was sich verändert.
Wichtig: Wenn Schmerzen beim Eindringen bestehen bleiben oder die Lustlosigkeit lange anhält, lohnt sich eine ärztliche Abklärung, und natürlich begleite ich Sie auch gerne in einer Beratung.
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